Geschichte Guatemalas

Neuzeit: Innenpolitische und geopolitische Konflikte in Guatemala

Die Jahrhundertwende brachte keinen Paradigmenwechsel in Guatemala. Diktatoren und gewaltsame Putschversuchen sollten auch hier die Schaffenskraft der politischen Klasse und vor allem die gesellschaftliche Entwicklung des Landes schwächen. Zu Beginn des Jahrhunderts, unter dem Präsidenten Manuel Estrada Cabrera, wuchs der US-amerikanische Einfluss im Land. Seine Nachfolger, Carlos Herrera y Luna (1920-1922), José María Orellana Pinto (1922-1926) und Lázaro Chacón González (1926 – 1930) setzten weiter auf einen pro-amerikanischen Kurs.
Guatemala-Stadt Zentrum
Ebenso intensivierten sie die panamerikanische Partnerschaft. Der amerikanische Einfluss sollte in den Folgejahren auch in die politischen Geschicke des Landes eingreifen. Nach einem Putsch 1930 bestimmte die USA massiv die Frage nach dem geeigneten Nachfolger. Erst 1931 gelang es General Jorge Ubico Castañeda ein entsprechendes Mandat zu erreichen. Ubicos Amtszeit sollte bis 1944 andauern. Er etablierte ein System staatlicher Verfolgung, in dem oppositionelle Strömungen und Intellektuelle radikal verfolgt wurden. Den Umsturz leiteten ein Generalstreik sowie die Intervention der Armee ein. Der Präsident setzt sich in das Land des Verbündeten USA ab. Ihm folgte eine Militärjunta an die Spitze des Staates. In der Folge leitete Juan José Arévalo Bermejo eine Zeit sozialistischer Reformen ein, die bis 1951 andauerte. Er verbesserte die Sozialsysteme und die Arbeitsbedingungen im Land, jedoch blieben nachhaltige wirtschaftliche Erfolge aus. Dies dürfte unter anderem auf die Skepsis der USA gegenüber dem Sozialisten Arévalo zurückzuführen sein. Amerikanische Hilfen und Investitionen blieben nahezu aus. Ein spannendes Kapitel in der Geschichte Guatemalas ist mit der Amtszeit von Jacobo Árbenz Guzmán zwischen 1951 bis 1954 verknüpft. Als Fortsetzung der Politik seines Vorgängers gedacht, entwickelte er die Infrastruktur des Landes weiter. Angesichts der Etablierung sozialistischer Ideen sah die USA ihre Wirtschaftsinteressen mittlerweile in akuter Gefahr. Bestrebungen zur Verstaatlichung des US-Konzerns United Fruit befeuerten diesen Prozess. Ferner wollte die US-Regierung mit allen Kräften einen sozialistischen Staat in nahezu unmittelbarer Nachbarschaft verhindern. Dies hätte im Konflikt mit der Sowjetunion einen gravierenden, geopolitischen Nachteil bedeutet. Es folgte der Sturz Guzmans durch ein eine US-finanzierte Befreiungsarmee und aktive Militär- und Geheimdiensthilfe der USA. Carlos Castillo Armas, der Anführer der Rebellen, startete seine Offensive in Honduras und errang 1954 die Macht. Bis 1957 konnte sich der rechtsgerichtete General an der Spitze einer Militärjunta halten, die den sozialistischen Kurs der vergangenen Jahre zur Nichte machte. Ein Attentat bedeutet 1957 das Ende seiner Regentschaft. Erst unter Enrique Peralta Azurdia kam Guatemala 1965 wieder zu einer neuen Verfassung. Die autoritären Strukturen wurden dadurch gemildert. Aufgrund der Repressalien und der rechtsgerichteten Politik der Militär- und Zivilregierungen erhielt die linksgerichtete Guerillabewegung in diesen politisch unruhigen Zeiten raschen Zulauf. Zwischen 1970 und 1974 verhängte Carlos Arana Osorio gar den Ausnahmezustand. Die Verfolgung oppositioneller Kräfte verstärkte die Staatskrise. In den folgenden vier Amtsjahren von Kjell Eugenio Laugerud García markierte das Erdbeben von 1976 einen gravierenden Einschnitt, der die Infrastruktur und Wirtschaftskraft weiter schwächte. Hoffnung auf eine Reformbewegung weckte Fernando Romeo Lucas García in der Zeit von 1978 bis 1982. Er wurde jedoch mit Hilfe der CIA von General Ríos Montt in einem Staatsstreich abgesetzt. Dieser leitete von 1982 bis 1983 ein blutiges Jahr ein, in dem er die Rechtsstaatlichkeit außer Kraft setzte und linksgerichtete und liberale Sympathisanten gnadenlos verfolgt. Allein 1982 fielen in einem Monat mehr als 10.000 Menschen den Schergen des Regimes zum Opfer, darunter viele Indigene. Waren während dieser Zeit noch drei Putschversuche ohne Erfolg geblieben, gelang der Vierte. Mit Óscar Humberto Mejía Víctores lenkte zwar ein neuer General die Geschicke des Landes, jedoch folgte er den blutigen Leitlinien seines Vorgängers. 1986 gelang es erstmals seit 20 Jahren wieder einen Zivilisten zum Präsidenten des Landes zu wählen. Als konservativem Politiker gelang es Marco Vinicio Cerezo Arévalo die fragile politische und gesellschaftliche Struktur zu entwickeln. Zwei Putschversuche und die fortlaufenden Aktionen der linken Guerilla schwächten jedoch die politische Durchsetzungskraft erheblich. 1991 wurde daher in demokratischen Wahlen ein Nachfolger bestimmt. Jorge Serrano Elía baute die zivile und demokratische Struktur Guatemalas weiter aus und beschränkte den Einfluss der Armee. Zudem versuchte er die immerwährende Fehde mit dem Nachbarn Belize durch Anerkennung der Unabhängigkeit zu beenden. Weiterhin gelang ihm eine erste Wiederbelebung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes. 1993 brachen jedoch erneut demokratiegefährdende Entwicklungen aus, die Serrano nach erheblichen Protesten ins Exil zwangen. Nach einer kurzen Übergangszeit regierte Ramiro de León Carpio Guatemala von 1993-1996. Unter ihm sollte es wieder zu Gespräche mit den linken Rebellengruppen kommen. Als Zugeständnis entwaffnete er die rechten Milizen der Patrullas de Autodefensa Civil (PAC). Dennoch gelang erst seinem Nachfolger Álvaro Arzú Irigoyen, der bis ins Jahr 2000 Guatemala regierte, ein Friedensabkommen zwischen der Regierung und den Rebellen zu schließen. Fortan sollten die linken Kräfte als gleichwertige Partner in die politische Parteienlandschaft Einzug erhalten. Der Bürgerkrieg zwischen den beiden politischen Kräften hatte bis dato mindestens 200.000 Menschen das Leben gekostet.

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Anja

Als Dipl-Geographin entdecke ich gern die Welt und schreibe hier darüber.

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