Erfahrungsbericht: Arbeiten auf einem australischen Garnelenkutter

Nach meinem Abitur wusste ich absolut nicht, wohin mein zukünftiger Weg gehen sollte, was mich ziemlich deprimierte. Da man in meiner Heimat, einer Kleinstadt im Norden Deutschlands, absolut keine Abenteuer erleben kann und ich den Drang verspürte endlich einmal dort heraus zu kommen, entschloss ich mich mehr oder weniger spontan für ein Jahr nach Australien zu gehen und den Kontinent zu bereisen. Gesagt getan. Ich verabschiedete mich bei Freunden und Familie und begann mein eigenes großes Abenteuer.

Ankunft in Australien

Da mir das nötige Kleingeld fehlte wusste ich, dass ich vor Ort so schnell wie möglich einen Job finden musste und wie es der Zufall wollte, stolperte ich schnell über ein etwas ungewöhnliches Jobangebot. Ich bekam die Möglichkeit vier Monate auf See zu verbringen und die Crew eines Garnelenkutters zu unterstützen und ich nahm das Angebot an.

Fischkutter in Australien

Auf See

Die Reise startete im Hafen von Cairns, Ziel war der Gulf of Carpentaria, den wir nach fünf Tagen erreichten und wo vier Monate lang nach so genannten „Tiger Prawns“ gefischt werden sollte. Bezüglich meiner Aufgaben an Bord wurde mir an Land gesagt ich sei für die Versorgung der Mannschaft verantwortlich, sprich Küchenhilfe, Putzfrau und Ähnliches. Was mir jedoch nicht gesagt wurde ist, dass ich durchaus auch für den Garnelenfang eingestellt wurde, was eine ungemeine körperliche Anstrengung darstellte. Doch zuerst begann meine tägliche Schicht damit, um 18:00 das Abendessen vorzubereiten.

Fischkutter auf See

Nach dem Essen wurden dann die riesigen Schleppnetze eingeholt und deren Inhalt in einen riesigen Bottich geschüttet. Nun hieß es sortieren, denn natürlich gehen neben den Garnelen auch allerlei andere Tierchen ins Netz, die wieder zurück ins Meer mussten. So standen wir jede Nacht an einem Laufband auf dem der ganze Fang an der Crew vorbeifuhr. Unsere Aufgabe war es, die Garnelen herauszupicken, denn alles was nicht heruntergenommen wurde, landete wieder im Wasser. Danach kamen die in Kartons gelagerten Garnelen on den Kühlraum. Dieses Prozedere wurde jede Nacht vier Mal wiederholt und mit etwas Glück konnte man zwischendurch eine Stunde schlafen. Nach dem Frühstück ging die ganze Crew ins Bett, schließlich fing um 18:00 die nächste Schicht an.

Natürlich fiel es mir anfangs sehr schwer mich an diesen Lebensrhythmus zu gewöhnen. Dazu kamen die nächtliche, körperliche Arbeit und die Sprachbarriere, wodurch am Anfang etwas Heimweh aufkam. Doch nach einiger Zeit hatte ich mich an den australischen Seefahrts-Slang gewöhnt und verstand endlich auch die vielen Witze, die am Abendbrotstisch gemacht wurden.

Fazit

Nach diesen vier Monaten hat sich nicht nur mein Englisch verbessert, ich fühlte mich auch stärker und für neue Aufgaben gewappnet. Auch wenn es am Anfang schwer schien durchzuhalten, war es rückblickend eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Von da an hat mich das Reisefieber gepackt und nun bin ich nicht mehr zu stoppen.

Diesen Artikel schrieb Sprachen- und Reisenärrin Nicole Ebermann von Martin Peters Sprachreisen.

One Response

  1. Shari 23. Februar 2016

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