Die Bevölkerung von Guatemala

Die Gesellschaft Guatemalas baut auf eine sehr junge Bevölkerungsstruktur. Fast 40 Prozent der Einwohner haben das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet.Obwohl die meisten Einwohner der Amtssprache Spanisch mächtig sind, sprechen über 40 Prozent von ihnen noch eine der zahlreichen Maya-Sprachen. Dies trifft vor allem auf die indigene Bevölkerung zu. Denn aufgrund der schwerwiegenden Folgen durch die spanische Eroberung, besteht gemeinhin ein fundamentales Interesse an der Wahrung der eigenen kulturellen Identität. Zu den verbreitetsten der 22 Maya-Sprachen zählt Quiche.

indigena-tortillaErgänzt werden die unterschiedlichen Sprachen noch durch unzählige Regionaldialekte. Für die europäisch-stämmige Bevölkerung sowie die Mestizen ist Spanisch die alleinige Muttersprache. Häufiger angetroffen werden zudem die Sprache Arawak und das Igñeri. Die Xinca-Sprache wird nur noch von sehr wenigen Guatemalteken gesprochen und droht ganz zu verschwinden. Insgesamt werden in Guatemala 53 indigene Sprachen und Idiome im sprachlichen Alltag angewandt.

Aus der Vielfalt an Sprachen ergibt sich bereits eine große Vielfalt in den gesellschaftlichen Strukturen. Dies setzt sich in der Herkunft und damit auch in der Lebensweise fort. Rund 60 Prozent der Einwohner sind direkte Nachfahren von Europäern oder von gemischter Abstammung. Die indigene Völkergruppe der Maya stellt den zweithöchsten Bevölkerungsanteil. An der Karibikküste siedelten sich zudem Einwohner asiatischer Abstammung beziehungsweise Garifuna an. Die Arawak leben ebenfalls in den Küstenregionen Guatemalas. Sie sind die Nachfahren verschleppter Afrikaner, die auf der Insel St. Vincent aus der Sklaverei fliehen konnten.
Kulturelles Zentrum und einwohnerstärkste Region ist der tiefergelegene, fruchtbare Teil des zentralen Hochlandes. In dieser Region liegt die Hauptstadt Guatemala-Stadt, deren Einwohnerzahl mit den angrenzenden Ballungsgebieten mehr als 3 Millionen Einwohner aufweist. Aufgrund der teilweise schwierigen Wohnverhältnisse könnte die tatsächliche Einwohnerzahl gar noch höher ausfallen. Weitere Großstädte sind Mixco, Villa Nueva und Quetzaltenango. Es folgen eine Reihe weiterer Städte, die aber alle unterhalb von 100.000 Einwohnern liegen. Insgesamt liegt die Einwohnerzahl von Guatemala bei rund 15 Millionen.
Auf die Missionierung der Spanier ist es zurückzuführen, dass noch heute ein Großteil der Bevölkerung gläubig ist. Mehr als die Hälfte gehören der römisch-katholischen Kirche an. Zum protestantischen oder freievangelikalen Glauben bekennen sich rund 45 Prozent der Guatemalteken.hochland-indigena

Aufgrund der genannten ethnischen, kommunikativen, und religiösen Zusammensetzung der Gesellschaft kommt es zu gravierenden Verschiebungen in der Wirtschaftskraft. Im Land existiert eine sehr kleine Oberschicht, die sich vornehmlich aus europäisch- stämmigen Bürgern und Mestizen zusammensetzt. Im Gegensatz dazu steht die Mehrheit der indigenen Bevölkerung, die teilweise unter schwierigsten Bedingungen leben. Zur Landflucht getrieben, leben sie in an den Rändern der großen Ballungsräume. Die Armutsgrenze unterschreiten dabei mehr als 90 Prozent. Nur in Brasilien ist die Kluft zwischen Arm und Reich noch ausgeprägter als in Guatemala. Solidarität zwischen den Ethnien ist aufgrund der schwierigen Vergangenheit nicht ausgeprägt. Eher sind mit Diffamierung, Ressentiments bis hin zu offenem Rassismus gegenteilige Verhaltensweisen zu beobachten. Positiv ist jedoch anzumerken, dass die Einbindung aller Bevölkerungsgruppen, vor allem der indigenen Guatemalteken, stetig zunimmt. Vor allem aufgrund engagierter Regionalpolitiker. Nicht mal zwei Jahrzehnte nach dem guatemaltekischen Bürgerkrieg wird der Gleichstellungs-, Rechts- und Demokratieprozess jedoch noch viel Engagement und nicht zuletzt Zeit benötigen.indigena

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